Angela Merkel macht Afghanistan zu Chefsache

(Quelle/Bild.de) Angeblich 135 Tote +++ Verteidigungsminister Jung unter Druck +++ Kanzlerin offen für Regierungserklärung. Der Luftangriff auf zwei Tanklastzüge im nordafghanischen Kunduz – er wird für die deutsche Politik mehr und mehr zum Problem. Nach Angaben des Distrikt-Gouverneurs sind am Freitag mindestens 135 Menschen getötet worden, darunter auch Kinder.

Der Gouverneur von Char Darah, Abdul Wahid Omarkhel, sagte, er habe eine Liste der Opfer erstellt und der Delegation von Präsident Hamid Karsai übergeben, die den Vorfall untersucht. Es sei unklar, wie viele der Toten Zivilisten gewesen seien. Unter den Opfern sei aber eine große Anzahl Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren!
Der von dem deutschen Oberst Georg Klein befohlene Angriff setzt Verteidigungsminister Franz Josef Jung (60, CDU) unter Druck!

Fast zwei Tage lang versuchte das Ministerium die internationalen Folgen des Luftangriffs nahe Kunduz in den Griff zu kriegen – dann griff die Kanzlerin ein! Und der Verteidigungsminister steht nun fast blamiert da.

Angela Merkel (55, CDU) nutzte am Sonntagabend ein Treffen mit Großbritanniens Premier Gordon Brown, um eine neue Sprachregelung auszugeben. Merkel: „Wenn es zivile Opfer gab, werde ich das ich das zutiefst bedauern.“

Jung dagegen hatte das Wochenende seine Einschätzung mehrmals wiederholt. Danach seien ausschließlich Taliban-Kämpfer bei dem Luftangriff getötet worden, den der deutsche Kommandeur des Lagers Kunduz befohlen hatte.

Doch Montagmorgen drehte Jung bei, sagte im ZDF: Eindeutig scheine ihm, „dass der überwiegende Anteil Taliban gewesen sind“.

Verteidigungsstaatsekretär Christian Schmidt sagte dem ZDF-„Morgenmagazin“, das Ministerium habe sich kurz nach dem Angriff „zu Beginn in schneller Information auf afghanische Quellen gestützt und verlassen, die sich nun nicht als 100 Prozent bestätigt herausstellen“.

Klar ist: Mit der Ankündigung einer großen UN-Afghanistan-Konferenz und „mehr Tempo“ mit Blick auf einen Truppenabzug hat die Kanzlerin die Afghanistan-Krise zur Chefsache gemacht – und zugleich der Bundeswehr den Rücken gestärkt. Merkel am Sonntag: „Wir stehen hinter unseren Soldaten.“

Mit Merkels Vorstoß ist Afghanistan ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes gerückt. Wahrscheinlich wird es eine Sondersitzung des Bundestages geben, Merkel hat sich offen für eine Regierungserklärung gezeigt. Sie habe dem Parlament signalisiert, dass sie bereit sei, eine Erklärung abzugeben, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag.

Unterdessen wächst bei der Bundeswehr der Ärger über die Amerikaner. Die Behauptung, bei dem Luftangriff seien 125 Menschen gestorben, sei eine „bodenlose Frechheit“, sagen Militärs.

Als besonders unfair wird auch empfunden, dass Isaf-Kommandeur McChrystal einem Journalisten der „Washington Post“ die Teilnahme an seinen Untersuchungen in Kunduz ermöglichte – während beispielsweise der deutsche Presseoffizier nicht dabei sein durfte.

Der US-Journalist druckte anschließend einen sehr Bundeswehr-kritischen Bericht mit schweren Vorwürfen gegen den verantwortlichen deutschen Offizier.

Der Chef des Deutschen Bundeswehr-Verbands, Oberst Ulrich Kirsch, nannte die Kritik der Amerikaner eine „Retourkutsche“. Der Grund dafür sei, dass Deutschland „immer den Zeigefinger erhoben hat, als das anderen Nationen passiert ist“.

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